Zippiri Weinbar: Sardische Küche mit viel Cross-over

Zippiri Weinbar: Sardische Küche mit viel Cross-over

Es ist laut und trubelig, als wir an einem Freitagabend die Zippiri Weinbar betreten – die typisch italienische Lebensart. Für unseren Geschmack ist es jedoch fast schon zu laut, denn als dann auch noch eine Dame beginnt, Klavier zu spielen, wird es schwierig, sich noch entspannt zu unterhalten. 

Der freundliche Service empfängt uns mit einem herzlichen „Buona sera!“, nimmt uns die Jacken ab und begleitet uns zu unserem Platz. Und obwohl heute Abend jeder Tisch besetzt ist, geht es zügig los mit unserem Überraschungs-5-Gang-Menü (89,00€, vegetarisch 84,00€), mit dem wir uns einen Überblick über die Küche verschaffen wollen. So zügig, dass wir nach der zweiten Vorspeise um eine kurze Pause bitten. 

Gute Küche will schließlich auch gewürdigt werden – das schreibt sich das Zippiri, das sich Weinbar und Gourmetwerkstatt nennt, schließlich auch selbst auf die Fahne: Liebe zum Genuss, zu guten und saisonalen Produkten, zu den sardischen Wurzeln. Hier möchte man traditionelle italienische Küche mit Innovation und Kreativität verbinden. 

Das Amuse Guele, eine Kartoffelsuppe mit einer raffinierten Kombination aus Noten von Vanille, Trüffel und Parmesan, ist da ein vielversprechender Start. Dazu gibt es als Aperitif einen Limoncello Spritz mit selbst gemachtem Zitronenlikör, der eine gute Balance von Zitrusfrische und herben Bitternoten hat. 

Weiter geht es mit einem handgeschnittenen feinen Rindertartar (à la carte 22,00€), das mit Wachtelei, Senfkaviar, kandierten Zwiebeln und „Zippiri-Umami“ – einer Creme aus Brot, getrockneten Tomaten und Knoblauch – eine solide gelungene Mixtur des französischen Klassikers und dem italienischen “Carne Cruda” ist. 

Kreativer ist dagegen das ebenfalls fein handegeschnittene Thunfischtartar (à la carte 22,00€) an fruchtigem Kakisalat, gerösteten Mandelstiften und Chioggia-Rote-Beete. 

Es folgt als zweite Vorspeise ein Cross-over zwischen japanischer und italienischer Küche: das cremig-milde Onsenei harmoniert mit einem sautiertem erdig, leicht bitteren Artischokenherz und der umamigen Brotcreme (à la carte 19,00€) – ein angenehmer Gaumenschmeichler insbesondere angesichts der verschneiten Wetterlage vor der großen Fensterfront des Restaurants. 

Klassisch sardisch geht es nun mit der Pasta weiter: Die hausgemachten Gemelli, kleine, in sich gedrehte Nudeln, mit Steinpilzragout (à la carte 23,00€) sind teigig und bissfest. Der „Crunch“ aus gerösteten Zwiebeln überlebt die cremige Sauce allerdings nicht. 

Zum Hauptgang wird Thunfisch-Tataki serviert, allerdings in Abwandlung zur a la carte Hauptspeise nicht mit Garnelenbisque und Paprikacreme (à la carte 39,00€), sondern mit Kartoffelpüree, gegartem Brokkoli und gebratenem italienischem Gemüse. Während die Fischqualität absolut überzeugt, fehlen allerdings die Röstaromen – der Tuna hätte durchaus schärfer angebraten werden dürfen. 

Den Abschluss bildet ein Spaziergang durch die italienische Käsevielfalt, angefangen mit einem kräftigen Camenbert, einem überraschend blassen Bergkäse, bis hin zu einem mild-säuerlichen Pecorino und kräftig-salzigem Parmesan. 

Durch den hochwertigen Produkteinsatz ist der selbst gewählte Beiname „Gournemtwerkstatt“ der Zippiri Weinbar sicher berechtigt. Die sardische Küche aber – der Name „Zippiri“ ist sardisch für „Rosmarin“ – findet keine durchgängige Integration, die asiatischen cross-over Elemente suggerieren zwar einen Fine-Dine-Anspruch, sind unserer Meinung nach aber etwas zu viel Kreativität neben der doch eigentlich sehr schönen, leckeren und hochwertigen italienischen Tradition, die es daher eigentlich nicht (so ausgeprägt) braucht. Bemerkenswert ist last but not least der Service, der seinen Gästen trotz „Full House“ ungeteilte Aufmerksamkeit und Freundlichkeit zukommen lässt und überaus zügig arbeitet. 


Zippiri Gourmetwerkstatt & Weinbar

Aachener Str. 259

50931 Köln

Zur Website

Mo, Mi-So 18:00-22:30

Außengastro ☑️

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