Luis Dias – Das Restaurant

Luis Dias – Das Restaurant

Ein Testbericht von Fred Wipperfürth

Er muss ein mutiger Mann sein, dieser Luis Dias!

Denn wer sein Restaurant schlicht mit seinem Namen labelt, der sollte sich eigentlich keinen Reinfall leisten. Ein „Zum Goldenen Gockel“ ließe sich nämlich sicher leicht beerdigen, aber ein gastronomischer schwarzer Schatten auf dem Namen Luis Dias – der könnte schon zu einem stabilen Bremsklotz werden …

Bislang aber hat Luis Dias wohl alles richtig gemacht!

Als Unternehmer, der neben einem populären und dekorierten Restaurant auch einen interessanten Onlineshop betreibt – mit eigenem B2B-Kanal für „biologische, vegane und zertifizierte Gewürzmischungen“. Als Koch, der bereits seit Jahren Lob einsammelt – von seinen Gästen und der lokalen Presse bis hin zur internationalen Testergilde. Und als Gastronom, der seit 2020 nach Rodenkirchen in die Wilhelmstraße einlädt, um „Kunden ein einzigartiges und unvergessliches Geschmackserlebnis zu bieten“, wie die Website etwas belanglos formuliert.

Tatsächlich öffnet sich nach dem Eintritt erst einmal ein wunderbarer, fast greifbar gastlicher Salon. Man fühlt sich mal erinnert an ein französisches Bistro – wegen des Kachelbodens, mal an eine dezent designte Fine-Dining-Stube. Dazu die wuchtigen, türkisfarbenen Säulen, die teils chaoswild designten, aber bequemen Polsterstühle, alles noch kreativ gespickt mit etwas Kunst und insgesamt abgemischt zu einem einladenden Ambiente, das außerdem echte Wohlfühlatmosphäre verbreitet.

Okay, Pause!

Denn natürlich sind wir gekommen, um zu essen. Aber lässt es sich genießen, ohne sich dabei wohlzufühlen? Ohne dass Gastlichkeit im Service ebenso gepflegt und gewertet wird wie geschicktes Würzen in der Küche? Sicher nicht!

Gut also, dass Beides eben sterne-like ist im Laden von Luis DiasGenuss und Gastlichkeit.

Schon beim Eintritt sorgt das quirlige Team nebst Chef mit charmanter Verbindlichkeit dafür, dass sich ein Chaos aus Gästen im Wartestand, aus Neuankömmlingen und Zuspätkommenden (sorry!) ruckzuck auflöst. So fühlt man sich willkommen. Und dann auch gut aufgenommen, weil das Team jederzeit verbindlich und trotzdem lässig, aufmerksam und trotzdem unaufdringlich, ausführlich und trotzdem kurzweilig, freundlich und empathisch durch den Abend führt.

Immer mal wieder assistiert durch den Chef, der neben der Koch-Arbeit und statt des oft üblichen, belanglosen After-Dinner-Hellos regelmäßig eine kurze Stippvisite an allen Tischen einschiebt. Oft superkurz, aber man nimmt ihm das Interesse ab!

Ach ja, kochen kann der Mann exzellent. Was die 4-Gang-Überraschungsmenüs (96,00€, alternativ gibt es das 3-Gang-Überraschungsmenü für 82,00€ und das 5-Gang-Überraschungsmenü für 109,00€ sowie eine tagesaktuelle Karte) ebenso eindrucksvoll bewiesen haben wie einzelne Gerichte aus der Karte.

Jedenfalls durften wir genießen, was von Experten als „modern-mediterran mit kreativen Akzenten, geprägt von hochwertigen Produkten, sauberem Handwerk und aromatischer Klarheit“ beschrieben wird. Vorweg gab es da zum Beispiel ein wunderbar abgestimmtes „Hamachi-Tatar, Macadamia, Chili“ (24,50€), dazwischen zauberhafte „Ravioli Ciambelle, Thunfisch“ (24,50€) und danach ein auf den Punkt gebrachtes „Kalbsfilet, Wirsing, Möhren, Püree“ (42,00€).

Auch wenn der marketing-orientierte Zusatz „verfeinert mit Bio Fisch & Scampi Food Finisher (1), verfeinert mit Bio Tomaten Food Finisher (2), verfeinert mit Bio Espresso BBQ Food Finisher (3)“ etwas angestrengt wirkte: Alles war präzise zubereitet, ausbalanciert in der Aromatik und lenkte den Fokus auf die hervorragende Qualität der Produkte. Kurz gesagt: Alles war Dias-lecker!

Zum Abschluss noch zum Wein – und damit zu einem kleinen Wermutstropfen. Das Angebot ist gut, mit Schwerpunkten bei portugiesischen und italienischen Gewächsen (ab 32,00 bis 62,00€), mit Besonderheiten (deshalb teurer) beim Roten wie einem „Chryseia, Prats & Symington, Douro“ aus Portugal oder den Edelitalienern aus der Toskana: „Brunello di Montalcino DOCG, Mastrojanni, 2014“ und „Sassicaia Bolgheri, Tenuta San Guido“ von 2019.

Ach so, der Wermutstropfen: Wir bestellten einen 2023er „Arneis DOC Pesca, Azienda Agricola Pescaja“ aus dem Piemont, der sich, ohne Hinweis aus dem Service, als letzte Flasche herausstellte; und die gewählte Zwangsalternative war sogar ganz aus. Kein Zeichen auf einen gepflegten Umgang mit dem Weinkeller – und dem (erfüllten) Luis-Dias-Anspruch nicht wirklich gerecht werdend.

Versöhnlich aber: Der als Ersatz empfohlene deutsche Grauburgunder von Dr. Heger (Ihringer Winklerberg, 2022) rundete den ansonsten rundum gelungenen Abend dann doch noch ab.

Luis Dias – Das Restaurant.

Wilhelmstraße 35a

50996 Köln-Rodenkirchen

Kontakt: restaurant@luis-dias.com; Tel.: 0221 9352323.

Öffnungszeiten:

Montag: Ruhetag;

Dienstag bis Freitag: 12.00 – 14.30 Uhr, 18.00 – 22.00 Uhr;

Samstag: 18.00 – 22.00 Uhr;

Sonntag: 12.00 – 14.30 Uhr, 18.00 – 22.00 Uhr

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