Düxer Dolce Vita, oder: „Ich möchte nirgendwo anders sein als in Köln und auf der Deutzer Freiheit“

Düxer Dolce Vita, oder: „Ich möchte nirgendwo anders sein als in Köln und auf der Deutzer Freiheit“

Linksrheinisch lebende Kölner zählen Deutz zur „Schäl Sick“. Wer sich aber einmal über den Rhein gewagt hat, der weiß die Sonnenseite Kölns zu genießen. Das schöne Leben im rechtsrheinischen Colonia wird sogar in einem alten Volkslied besungen: „Luur ens von Düx noh Kölle, vum Staune bes de platt.“ („Schau von Deutz nach Köln, da staunst Du und bist platt.“) La dolce vita findet man aber nicht nur auf dem Rheinboulevard oder den Poller Wiesen (oder beim Blick auf die linke Seite), sondern auch auf der Deutzer Freiheit, zum Beispiel in der Kaffeebar von Massimo Biasio. Seit rund 11 Jahren paart der Bickendorfer hier italienische Kaffeekultur mit kölschem Hätz – und ist damit fester Bestandteil der Düxer Nachbarschaft.

Die Kaffeebar in Deutz. Foto: Laura Herrmann

„Min Jung, wie immer?“, begrüßt er einen seiner Stammkunden während unseres Interviews, der Cappuccino ist da schon in der Mache. Hier kennt man sich beim Namen – und auch, wenn man den nicht kennt, ist man beim „Du“, wie man das aus Kölner Kneipen kennt. In der Kaffeebar fragt man nach der Familie, plaudert übers schlechte Wetter, bestellt noch ein Schinken-Käse-Toast oder Panini. Und wer im aktuell eiligen To-Go-Geschäft einen Blick durch die Regale streifen lässt, der entdeckt auch dort eine herrliche Mischung aus italienischem Gefühl und kölschem Hätz.

Da steht die „Deutzer Mischung“ – eine „echt italienische Kaffeeröstung“, wie Massimo sagt – zu deren 60% Arabicabohnen sich außerdem 40% Robustabohnen mischen. Darunter findet sich die Röstung „Stella“ – ein Kaffee mit jeweils 50% Arabica- und Robusta-Anteil, den Massimo 2013 zur Geburt seiner jüngsten Tochter auflegte. „Wir bieten hier ausschließlich regional gerösteter Kaffee nach italienischer Art“, erklärt Massimo. Denn echt italienisch sei Kaffee eben nur mit Robusta-Anteil. „Und echt kölsch ist er, weil er in Hürth geröstet wird“, fügt er grinsend hinzu.

Echt italienisch ist auch die kleine Außengastronomie im Sommer auf der Deutzer Freiheit. „Das Schöne an Deutz ist, dass hier Alt-Düxer auf junge Neu-Deutzer treffen. Die geben sich bei uns dann auch mal Kaffeerunden aus, wie man sich in Kneipen sonst ’ne Runde Bier ausgibt“, erzählt Massimo.

Apropos Bier – das gibt es überraschenderweise auch in der Kaffeebar, und zwar nicht nur echt kölsch, sondern echt „Deutz“. Auch das ist eine Idee von Massimo und eine erfolgreiche rechts-linksrheinische Kooperation zwischen Deutz und Hürth, wo das Bier von der Brauerei Coltro gebraut wird. „Ich wollte ein traditionelles Kölner Bier anbieten: das „Wiess“, ein naturtrübes und ungefiltertes Weißbier. Das hab‘ ich früher in der Brauerei Küppers getrunken, als es die noch in der Alteburger Straße gab.“ Herausgekommen ist das „Deutzer Wiess“ – und das kommt so gut, dass es mittlerweile um ein Deutzer Fest- und Deutzer Bockbier erweitert wurde. Zu Beginn des Winters entstand in der Brauerei dann noch die Idee zu einem Glühbier auf Basis des Bockbiers, Kirschsaft, Orangen und weihnachtlichen Gewürzen. „Das klang erstmal total ungewöhnlich und war auch mehr als Gag gedacht – aber es kam so gut an, dass ich nach einer Woche nachordern musste. Und seitdem ist es fest bei uns im Programm.“

„Gerade in Deutz gibt es einen großen nachbarschaftlichen Zusammenhalt“

Massimo Biasio, Barista der Kaffeebar in Deutz

Die charmante Düxer und dolce vita Atmosphäre, sie ist in der Kaffeebar nach wie vor zu spüren, wenngleich Corona einiges verändert hat. Gerade ältere Stammkunden kämen seltener, überhaupt käme mehr Laufkundschaft. „Klar müssen wir uns da auch neu erfinden“, so Massimo. Gerade im To-Go-Geschäft seien es die vielen kleinen Dinge, die helfen: Die Kaffeebar hat ihr Angebot erweitert um selbstgebackene Mutzenmandeln und Plätzchen in liebevoll gepackten Tütchen, eine kleine toskanische Weinauswahl, und feinstes italienisches Olivenöl. „Alles handverlesene Produkte, die ich persönlich empfehlen kann“, erklärt Massimo. Das kommt gut an, zieht durchaus auch neue Kundschaft an. „Und man merkt: die Leute wollen lokale Geschäfte unterstützen. Gerade in Deutz gibt’s einen großen nachbarschaftlichen Zusammenhalt“, so Massimo. Das Miteinander ist ihm wichtig: „Ich bin gerne Kölner. Und ich möchte nirgendwo anders sein als in Köln und hier auf der Deutzer Freiheit.“ Aber das Jeföhl, das Miteinander, diese besondere Kultur fehle natürlich gerade. „Wer weiß, wie sich das alles entwickelt: Kommen die Alten wieder, sobald es geht? Kommen die jungen und neuen Kunden weiterhin? Ich will es hoffen“, sagt Massimo. La dolce vita – das Gefühl soll die Deutzer Freiheit schließlich noch eine ganze Weile mit Leben füllen.

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